Vibe Coding ist in unserem Agenturalltag angekommen. Nicht als Ersatz für echte Entwicklung, aber als Werkzeug, das uns bei internen Prototypen, Kundenpräsentationen und schnellen UI-Skizzen enorm viel Zeit spart. Das Problem: Die meisten KI-generierten Oberflächen sehen gleich aus. Dieselben abgerundeten Karten, dieselbe blaue Primärfarbe, dasselbe serifenlose System-Font-Wirrwarr. Wer einmal zehn Lovable- oder Bolt-Projekte nebeneinandergelegt hat, weiß genau, wovon wir reden.
Wir haben uns deshalb intern gefragt, was den Unterschied macht zwischen einer KI-Ausgabe, die aussieht wie eine KI-Ausgabe, und einer, die man sich tatsächlich vorstellen könnte, live zu stellen. Das Ergebnis sind diese zehn Tipps, die wir mittlerweile in jedem Vibe-Coding-Projekt beherzigen.
Tipp 1: Etabliere ein Design-System, bevor du auch nur eine Zeile promptest
Das ist der Tipp, den wir am häufigsten selbst missachtet haben, bis wir verstanden haben, wie teuer das ist. Ohne ein bestehendes Design-System fängt die KI bei null an. Sie erfindet Farben, Abstände und Typografie aus dem Nichts, und dieses Nichts sieht immer gleich aus: mittelgrau, mittelblau, mittelgut.
In unserer Agentur haben wir mittlerweile einen internen Starter, der die wichtigsten Token vorab definiert: Primär- und Akzentfarbe, Schriftpaarungen, Abstände in einem 8px-Raster, Radien für Karten und Buttons. Diese Datei landen wir als Kontext am Anfang jeder Session. Wer das nicht tut, promptet gegen einen Geschmack, den niemand bewusst gewählt hat.
Tipp 2: Die KI wird generisch bleiben, solange du nicht erklärst, wie es aussehen soll
Das klingt offensichtlich, wird aber in der Praxis ständig ignoriert. „Erstelle eine moderne Website“ ist keine Designanweisung. „Erstelle eine Website mit viel Weißraum, einer serifenlosen Groteskschrift, klaren vertikalen Sektionen und dezenten Scroll-Animationen im Stil von Studio-Seiten aus Kopenhagen“ ist eine.
Die KI kann nicht erraten, was in deinem Kopf vorgeht. Je präziser du beschreibst, desto weniger muss sie interpretieren, und desto weniger landet sie beim nächstbesten Template. Wir haben intern die Faustregel eingeführt: Wenn du deinen Prompt nicht laut vorlesen könntest, ohne dabei selbst unklar zu klingen, dann ist er noch nicht fertig.
Tipp 3: Schreibe generelle UI-Anweisungen fest in deine Agenten
Wer regelmäßig mit Claude Code, Cursor oder ähnlichen Tools arbeitet, sollte seine Designvorgaben nicht jedes Mal neu tippen. Wir haben einen systemweiten UI-Prompt, der in unseren Agenten hinterlegt ist und bei jeder Session automatisch geladen wird. Darin stehen Dinge wie: keine Drop-Shadows, Abstände immer im 8px-Raster, Buttons niemals breiter als 220px, Hover-States immer explizit definieren.
Das spart nicht nur Zeit, es sorgt für Konsistenz. Wenn vier Leute im Team gleichzeitig an Interfaces arbeiten, braucht man eine gemeinsame Basis. Agenten-Konfigurationen sind die effektivste Art, diese Basis durchzusetzen, ohne es jedes Mal neu erklären zu müssen.
Tipp 4: Sammle Referenzen, bevor du anfängst
Wenn du eine Richtung beschreibst, hilft ein Bild mehr als tausend Wörter. Wir nennen am Anfang eines Vibe-Coding-Projekts immer drei Arten von Referenzen: eine für die visuelle Stimmung, eine für das Layout und eine für Animationen oder Interaktionen. Quellen wie Awwwards, Mobbin oder Figma Community bieten genug Material, um eine klare Richtung vorzugeben.
Wichtig dabei: Sag der KI explizit, wofür die Referenz gilt. „Nutze diese Website nur für das Layout, nicht für die Farben“ verhindert, dass die KI einfach kopiert, anstatt zu adaptieren. So bleibt das Ergebnis original, hat aber eine definierte gestalterische Richtung.
Tipp 5: Baue Abschnitt für Abschnitt, nicht alles auf einmal
Wer eine komplette Landing Page in einem einzigen Prompt baut, bekommt ein inkonsistentes Ergebnis. Der Hero hat andere Abstände als die Feature-Sektion, die Karten in der Pricing-Sektion haben andere Radien als die im Team-Bereich. Das entsteht nicht, weil die KI unzuverlässig ist, sondern weil zu viel Kontext auf einmal verloren geht.
Wir bauen in Blöcken: erst Hero und Social-Proof-Leiste, dann Features und How-it-works, dann Pricing und Footer. Vor jedem Block referenzieren wir den Master-Prompt mit den Designvorgaben explizit. Das kostet initial etwas mehr Zeit, spart aber viel Nacharbeit.
Tipp 6: Schreibe einen Master-Prompt, der als kreatives Briefing dient
Vor dem ersten Build sitzt ein Dokument, das wir intern „Design Brief für die KI“ nennen. Es enthält Projekttyp, Markenname, visuelle Stimmung, Farbpalette, Typografievorgaben, Layoutregeln und die Sektionen, die gebaut werden sollen. Dieses Briefing ist strukturiert, manchmal sogar als JSON formuliert, damit die KI es verlässlich parsen kann.
Wer diesen Schritt überspringt, merkt das spätestens nach dem dritten neu generierten Block, der wieder einen anderen Vibe hat als der erste. Das Briefing ist der Anker, auf den man sich immer wieder bezieht.
Tipp 7: Nutze kleine, gezielte Korrekturen statt Neustart
Wenn das Ergebnis zu 70 oder 80 Prozent stimmt, fang nicht von vorne an. Formuliere stattdessen präzise Einzelkorrekturen: „Erhöhe den vertikalen Abstand zwischen Hero und erster Sektion auf 120px“, „Mache die Karten weniger rund“, „Erhöhe den Kontrast zwischen Hintergrund und Kartenoberfläche“. Das ist nicht nur effizienter, es verhindert auch, dass beim Neustart andere Abschnitte wieder anders aussehen.
In Tools, die Element-Level-Editing unterstützen, nutzen wir das konsequent. Man klickt direkt auf das Element und gibt die Anweisung. Das ist um Größenordnungen schneller als einen langen Prompt zu schreiben, der beschreibt, welcher Bereich der Seite gemeint ist.
Tipp 8: Nimm Animationen ernst, und beschreibe sie konkret
Animationen sind der Faktor, der eine anständige KI-Oberfläche von einer wirklich polierten Seite unterscheidet. Eine statische Seite kann funktionieren. Aber Scroll-Triggered Fade-ins, subtile Hover-Skalierungen und ein durchgängiges Easing-Verhalten machen den Unterschied zwischen „sieht okay aus“ und „das wirkt wie designed“.
Unsere Regel: Sag nie „füge Animationen hinzu“. Sag stattdessen: „Hero-Headline wortweise von unten einfaden mit 0,08 Sekunden Stagger, Feature-Karten beim Scrollen mit 0,3 Sekunden Stagger und Ease-out-Kurve, Buttons mit Hover-Scale 1.02, keine bounce-artigen Kurven“. Dieser Grad an Präzision macht einen hörbaren Unterschied im Ergebnis.
Tipp 9: Nutze Kundenbranding konsequent als Input
Im Agenturalltag ist das Design nie im Vakuum. Es gibt eine Brand, eine CI, vielleicht sogar ein bestehendes Styleguide-Dokument. Wir laden diese Informationen als Kontext, bevor wir anfangen. Das Kundenlogo als SVG, die definierten Primär- und Sekundärfarben aus dem Styleguide, die festgelegten Schriften.
Die KI wird ohne diese Daten immer eine generische Marke erfinden. Mit ihnen bleibt das Ergebnis im Brand-Rahmen, was nicht nur ästhetisch besser ist, sondern dem Kunden gegenüber auch eine andere Wertigkeit signalisiert. Das gehört für uns zu den wichtigsten Unterschieden zwischen einer Agentur, die Vibe Coding einsetzt, und jemandem, der einfach Bolt öffnet und hofft.
Tipp 10: Überprüfe Mobilansicht und Konsistenz immer als letzten Schritt separat
Was gut auf Desktop aussieht, bricht auf Mobilgeräten häufig an den unerwarteten Stellen zusammen. Schriftgrößen, die zu klein werden, Abstände, die sich stapeln, Karten, die nicht korrekt umbrechen. Wir haben uns angewöhnt, die Mobilprüfung als eigenen Schritt zu behandeln und dort gezielte Korrekturen zu formulieren, anstatt zu hoffen, dass der initiale Build es schon richtig macht.
Danach folgt eine Konsistenzprüfung: Typografie einheitlich? Abstände konsistent? Hover-States auf allen interaktiven Elementen definiert? CTA-Elemente ausreichend sichtbar? Erst wenn das alles stimmt, gilt der Build als fertig.

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Was das für unsere Agentur verändert hat
Vibe Coding hat unseren Workflow nicht ersetzt, aber beschleunigt. Wir nutzen es für interne Prototypen und Kundenpräsentationen, als Explorations-Tool für Layouts und als Ergänzung zu unserer eigentlichen KI-Integration in Kundenprojekten. Der entscheidende Shift war: aufgehört zu haben, die KI wie einen Automaten zu behandeln, und angefangen, sie wie einen Junior Designer zu führen, dem man ein klares Briefing gibt.
Wer das versteht, bekommt aus Vibe Coding Ergebnisse, die sich nicht nach KI anfühlen. Wer das nicht tut, bekommt dasselbe Interface, das tausend andere gerade auch generiert haben.
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